Auf den Spuren der Moscheen von Djerba

Veröffentlicht am : 25-02-2024

Die kleinen weißen Moscheen von Djerba, von denen einige mehr als tausend Jahre alt sind, erzählen von der einzigartigen Geschichte und Kultur dieser Insel, die 2023 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. Ein Spaziergang über die Insel lässt uns eintauchen in die Geheimnisse dieser besonderen Gebäude.

Die Sidi-Smaïn-Moschee


Die kleine Sidi-Smaïn-Moschee ist auf der Straße entlang des Meeres zwischen der Stadt Houmt-Souk und den an der Nordküste gelegenen Hotels kaum zu erkennen. Und doch war sie in früheren Zeiten Teil eines umfangreichen Verteidigungssystems gegen Angreifer.
Die erste Verteidigungslinie bestand aus Moscheen entlang der Küste, die frommen Männern anvertraut wurden, deren Aufgabe es war, das Meer zu beobachten und im Falle eines Angriffs Alarm zu schlagen.


Die Sidi-Smaïn-Moschee, ein bescheidenes Gebäude ohne Minarett, wurde durch eine andere größere Moschee auf der anderen Straßenseite ersetzt. Sie beherbergt heute den Sitz der Architektenvereinigung von Djerba, deren Logo in arabischer Kalligraphie gut erkennbar ist.
Die beiden von außen sichtbaren Rundungen entsprechen den Nischen im Inneren der Moschee, die die Gebetsrichtung anzeigen. Tatsächlich konnte man sowohl im Gebetsraum also auch, an besonders heißen Abenden, auf einer offenen Galerie sein Gebet verrichten.


Die Tajdit-Moschee


Von der Sidi-Smaïn-Moschee aus versinken die unbefestigten Wege zwischen hohen mit Kakteen bewachsenen Böschungen.
Ein kurzer halbstündiger Spaziergang führt den Besucher zur Tajdit-Moschee, die im 9. Jahrhundert gegründet wurde.


Sie besitzt ein weißes von einer Laterne gekröntes Minarett und wird von massiven Stützmauern umgeben. Das Minarett diente als Wach- und Leuchtturm: von seiner Spitze wurden bei Gefahr warnende Lichtsignale ausgesandt.
Nach der alten Djerbischen Tradition kletterte der Muezzin nicht bis zur Spitze des Minaretts, um die Gläubigen zum Gebet zu rufen, sondern auf eine kleine Treppe, die neben dem Eingang zur Moschee zu sehen ist.
Über den Eingangspforten befanden sich zudem Maschikulis, da die Moschee bei Gefahr auch als Zufluchtsort für die Bevölkerung diente. 

Um den Gebetssaal reihen sich die zahlreichen Gewölbe und Kuppeln der Koranschule und der Nebengebäude.


Gästehäuser auf Djerba


Die Tlakin-Moschee


Ebenso wie die Tajdit-Moschee gehörten auch andere „befestigte Moscheen“ zur zweiten Verteidigungslinie von Djerba. Eine von ihnen befindet sich einige Kilometer weiter östlich: die Tlakin-Moschee.
Sie wurde 1205 im Nordosten der Insel, jener Region, die am stärksten durch über das Meer kommende Angreifer bedroht war, erbaut.


Die El Bessi-Moschee


Die Moscheen im inneren der Insel hatten keine militärische Funktion.
Eine halbe Fußstunde südlich der Tajdit-Moschee liegt die El Bessi-Moschee. Diese isoliert inmitten von Feldern liegende Moschee im Bezirk Oualegh war ein wichtiges Bildungszentrum.
Sie verfügte über eine Bibliothek, eine Koranschule, Räumlichkeiten für die Studenten und verschiedene Nebengebäude.
Ihre Architektur zeichnet sich durch ihre besondere Ausgestaltung aus. Die Außengalerie und der Gebetsraum sind mit Arkaden, Kapitellen, Säulen, Kalligrafien und gemeißelten Motiven dekoriert.
Das Minarett, das an seinem oberen Ende durch einen kreisförmigen Balkon und eine kegelförmigen Spitze gekrönt wird, deutet auf osmanische Einflüsse hin. Tatsächlich waren die El-Bessi-Brüder, auf deren Gründung die Moschee zurückgeht, wohlhabende Djerbier, die sich im 18. Jahrhundert in Istanbul niederließen. 

Sidi Smaïn, Tajdit, Tlakin, El Bessi: Diese vier Moscheen gehören zu den 24 Denkmälern und 7 Gebieten, die der UNESCO als Grundlage dafür dienten, Djerba auf die Liste des Weltkulturerbes zu setzen. Sie repräsentieren die außergewöhnliche Geschichte und die kulturellen Besonderheiten, die die einzigartige Identität der Insel bilden.


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